Die Kreis- oder Bezirksmeisterschaften stehen vor der Tür, ein Vereinsmitglied hat sich qualifiziert und möchte gerne mit der besseren Sportwaffe eines Kameraden teilnehmen. Oder die Sportwaffe soll vom entfernt wohnenden Büchsenmacher repariert werden und ein Vereinskamerad bietet sich an, das Gerät zu transportieren, da er sowieso dort vorbeikommt. Möglicherweise will man auch in Urlaub fahren und seine Waffe nicht für längere Zeit im Waffenschrank der leerstehenden Wohnung lassen.

Was kann man tun und wie sieht die rechtliche Lage aus? Während in anderen Ländern meist alles erlaubt ist, was nicht ausdrücklich verboten ist, herrscht in Deutschland ja überwiegend der Grundsatz, dass alles verboten ist, was nicht ausdrücklich erlaubt ist. Ganz besonders natürlich im Waffenrecht. Grundsätzlich bedarf jede Art des Umgangs mit Schusswaffen einer behördlichen Erlaubnis, für Sportwaffen erkenntlich an der Waffenbesitzkarte, ausgestellt für eine bestimmte Person und einen bestimmten Waffentyp.

Allerdings gibt es doch einige Ausnehmen. So darf sich jeder auf dem Schießstand eine Waffe ausleihen und dort benutzen, vorausgesetzt, die jeweiligen Altersgrenzen für das Schießen werden beachtet. Auch die eingangs genannten Fälle werden in § 12 des Waffenrechts geregelt. Unter genau festgelegten Voraussetzungen dürfen Waffen auch außerhalb von Schießständen ausgeliehen (im Behördendeutsch „vorübergehend erworben“) oder zur sicheren Aufbewahrung an einen „Berechtigten“ übergeben werden.

Was sind nun „Berechtigte“? Bei erlaubnisfreien Waffen sind es volljährige Personen und bei erlaubnispflichtigen Schusswaffen Inhaber einer Waffenbesitzkarte (WBK) bzw. eines Jagdscheines. Weiterhin muss folgendes beachtet werden:

- Der Betroffenen darf sein Gerät nur für jene Zwecke weitergeben, für die er selbst ein Bedürfnis besitzt. Bei Sportschützen also Teilnahme am Training und an Wettkämpfen, zum Reinigen der Waffen, zur vorübergehenden sicheren Aufbewahrung oder zur Beförderung.

- Die Überlassung der Waffe muss zeitlich befristet sein für maximal einen Monat. Zwar könnte man theoretisch die Waffe für einen Tag an den Besitzer zurückgeben und dann wieder ausleihen, aber davon ist abzuraten. Die Waffenrechtsbehörde könnte davon ausgehen, dass ein Sportschütze, der sein Gerät ständig weggibt, dafür kein ein eigenes Bedürfnis mehr besitzt.

- Jäger dürfen eine für Jagdzwecke nicht zugelassene Sportwaffe nicht ausleihen, weil das jagdliche Bedürfnis den Zweck sportlichen Schießens nicht deckt. Kurzwaffen dürfen Jäger nur untereinander verleihen, wenn der Entleiher über eine WBK verfügt. Für Langwaffen genügt dagegen der gültige Jagdschein.

- Der Gesetzgeber verlangt nach einem schriftlichen Beleg über den konkreten Ausleihvorgang, so dass der Entleiher oder Aufbewahrer nachweisen kann, warum er legal eine Waffe besitzt. Der Verleiher und der Leiher müssen beide über einen original unterschriebenen Beleg verfügen. Das Datum, an dem die Waffe übergeben wurde, gehört mit auf das Papier, da dann die Monatsfrist beginnt.

- Folgende Punkte sind schriftlich festzuhalten: Persönliche Daten des Verleihers und des Entleihers (Name, Anschrift, Geburtsdatum), Leih- und Berechtigungsgrund des Ausleihers (WBK, Jagdschein), Angaben zur Waffe (Art, Kaliber, Hersteller und Modell, Seriennummer), Angaben zu Berechtigung des Verleihers (WBK, Jagdschein), Überlassungsdatum, eigenhändige Unterschriften.

Wer ganz sicher gehen will, kann sich ein entsprechendes Formular als PDF-Datei unter „Dokumente“ bzw. durch einen Klick hier herunterladen.

Quelle: Visier Juni 6/2010