Die Waffen des 71-Jährigen werden nun verkauft

VON WULF KANNEGIESSER

Etliche Schreiben der Polizeibehörde zu ignorieren, kommt einem 71-jährigen Akademiker teuer zu stehen. Wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz verlor der Rentner, der seit 50 Jahren Jäger ist, im März 2012 seine komplette Waffensammlung samt Schalldämpfern und 58 Kartons mit Munition im Gesamtwert von rund 8000 Euro. Und das Amtsgericht verhängte gestern zudem eine Buße von 3000 Euro. Dabei hätte der 71-Jährige Ingenieur nur nachweisen müssen, dass er die Waffen zu Jagdzwecken brauchte und eine sichere Aufbewahrung von Waffen samt Munition gewährleisten könne.

Er habe die Behördenschreiben „nicht ernst genug genommen", seufzte der Rentner gestern schulterzuckend auf dem Gerichtsflur. Als passionierter Waidmann habe er immerhin seit 50 Jahren einen Jagdschein, besitze diese Erlaubnis auch heute noch, nur seine Waffen liegen seit einer Hausdurchsuchung im März 2012 bei der Polizei. Vier Büchsen, zwei Doppelbockflinten, zwei Revolver, zwei Pistolen, vier Schalldämpfer und alle Munitionskartons packten die Beamten damals ein - und postwendend erhielt der Senior nun obendrein eine Anklage beim Amtsgericht. Dabei hatte die Polizeibehörde ihn mehrfach schriftlich aufgefordert, alle formellen Anforderungen für den Erhalt seiner Waffenbesitzkarte nachzuweisen. Als der 71-Jährige darauf aber nicht reagierte, spitzte sich die Lage immer weiter zu. Im Juli 2011 hat die Polizeibehörde seine Waffenerlaubnis widerrufen, der Senior bekam eine Frist von zwei Monaten zur Abgabe der registrierten Waffen. Der 71-Jährige schlug aber auch das in den Wind, ließ auch diese Frist verstreichen. Also zogen Beamte vor rund einem Jahr los und räumten seinen Waffenschrank samt Munitions-Safe leer.

Wegen „geringer Schuld" des bisher unbescholtenen Rentners wurde das Waffenverfahren gegen ihn zwar eingestellt - aber nur unter der Bedingung, dass er die Einkünfte eines Monats (3000 Euro) als Buße zahlt. Sein Anwalt erreichte außerdem, dass die beschlagnahmten Waffen nun „nicht verschrottet werden", sondern dass die Büchsen, Flinten und Handfeuerwaffen des Angeklagten bei einem Waffenhändler in Kommission gegeben, dort an Interessenten mit gültiger Waffenbesitzkarte verkauft werden können - und der Erlös dann dem 71-Jährigen zufließt.


Quelle: Rheinische Post von Donnerstag, 17. Januar 2013